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Unter den Phytoestrogenen
werden Pflanzeninhaltsstoffe verstanden, die im menschlichen Organismus
eine dem Sexualhormon Estrogen ähnliche Wirkung haben. Im Blickpunkt
der Forschung stehen vor allem Isoflavonoide aus Soja, Lignane aus
Getreide und Cumestane aus Sprossen, da sie möglicherweise
einen vorbeugenden Effekt auf die Entstehung hormonabhängiger
Tumore wie z.B. Brust- oder Prostatakrebs besitzen. Noch sind die
Ergebnisse jedoch widersprüchlich und zumindest beim Verzehr
großer Mengen kann ein umgekehrter Effekt nicht ausgeschlossen
werden. Weiterhin besitzen auch prenylierte Flavanoide
aus Hopfen, das Rhaponticin
aus der Rhabarberwurzel
und weitere Verbindungen eine Estrogenwirkung und zählen ebenfalls
zu den Phytoestrogenen.
Isoflavonoide besitzen für die Pflanze als Phytoalexine eine
Schutzfunktion gegenüber Pilzbefall und sind hauptsächlich
in Hülsenfrüchten verbreitet. Der Gehalt an Isoflavonoiden
hängt sehr stark von Anbau, Ernte und Verarbeitung der Pflanzen
ab.
Aus Lignanen wird die pflanzliche Gerüstsubstanz Lignin gebildet,
sie zählen somit zu den Ballaststoffen, die nicht aus der Gruppe
der Kohlenhydrate kommen. Eine
wichtige Quelle für Lignane sind vor allem Roggen und Leinsamen.
In Auszugsmehl sind allerdings kaum mehr Lignane enthalten. Cumestane
finden sich vor allem in Alfalfa-Sprossen.
Einteilung:
Isoflavonoide entstehen aus Flavonoiden
infolge Arylwanderung. Sie liegen meist glykosidisch gebunden vor.
Die wichtigsten Aglyka sind Genistein, Daidzein und Formononentin.
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Daidzein
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Genestin
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Formononetin
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Lignane:
Lignane entstehen durch Verknüpfung zweier
Phenylpropan-Einheiten (Coniferyl- oder Sinapylalkohol) über
das ß-C-Atom der Arylseitenketten durch Addition, oxidative
Kupplung oder Polymerisierung. Dadurch ergeben sich sechs Grundtypen.
Secoisolariciresinol und Matairesinol liegen als Glykoside in der
Pflanze vor und werden durch Darmbakterien in die resorbierbaren
Verbindungen Enterodiol bzw. Enterolacton umgewandelt, die dann
eine estrogene Wirkung entfalten.
Weitere interessante Lignane sind das Neo-Olivil aus
der Brennesselwurzel,
das möglicherweise zur Wirkung der Droge bei benigner Prostatahyperplasie
beiträgt und das Podophyllin, ein Harz aus dem Podophyllwurzelstock,
das zytostatisch wirksam ist.
Cumestane:
Die Grundstruktur der Cumestane leiten sich vom
Cumarin ab.
Prenylierte Flavonoide:
Als Beispiel sei hier das estrogen wirksame Prinzip
des Hopfens genannt.
Wirkungen:
Phytoestrogene wirken wie das endogene Hormon Estradiol,
besitzen aber eine geringere Potenz. So können sie dosisabhängig
am Estrogenrezeptor die Wirkung des endogenen Hormons blockieren
und die Hormonwirkung modulieren. Dass Phytoestrogene präventiv
auf die Entstehung bestimmter Tumoren wirken können beruht
hauptsächlich auf der Beobachtung, dass bei Personengruppen,
die sich traditionell phytoestrogenreich ernähren, die Häufigkeit
von solchen Tumoren niedriger liegt. Ein kausaler Zusammenhang mit
den Phytoestrogenen ist jedoch nicht bewiesen und die Resultate
der durchgeführten Studien widersprüchlich. Möglicherweise
besitzen die Substanzen noch weitere physiologische Wirkungen, zudem
sind sie potente Antioxidantien. Generell kann davon ausgegangen
werden, dass nahrungstypische Mengen an Phytoestrogenen unbedenklich
sind. Säuglinge sollten wegen der Hormonwirkung nicht überwiegend
mit Sojaprodukten ernährt werden.
Vorkommen:
| Struktur |
Verbindung |
Beispiele |
| Isoflavon |
Daidzein |
Soja, Büschelbohne |
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Genistein |
Soja, Wilder Indigo, Besenginsterkraut,
Färberginsterkraut,
Lupinen, Hauhechelwurzel,
Kleearten |
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Formononetin |
Astralaguswurzel, Baptisia-Arten,
Traubensilberkerzenwurzel,
Süßholz,
Hauhechelwurzel,
Kleearten, Bockshornklee |
| Lignane |
Secoisolariciresinol |
Roggen, Leinsamen,
Kampherbaum,
Lärche, Lorbeerblätter, Wasserfenchelfrüchte,
Fichte, Eibe, Brennesselwurzel |
| |
Matairesinol |
Roggen, Leinsamen,
Kampherbaum,
Wasserfenchelfrüchte, |
| Cumestane |
Cumestrol |
Alfalfa, Soja, Kleearten |
Flavonoide |
Prenylnaringenin |
Hopfen |
Literatur: Gunter Metz: Phytamine
- Pflanzliche Nahrung zur Prävention
PZ-Schriftenreihe Nr. 13 (2001), Govi Verlag Uwe
Gröber:
Orthomolekulare Medizin, 2000,
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
Andreas Hahn:
Nahrungsergänzungsmittel, Paperback APV,
Band 41, 2001, Wissenschaftliche
Verlagsgesellschaft Stuttgart
Georg Schiller, Karl Hiller:
Arzneidrogen, 4. Aufl. 1999,
Spektrum Akademischer Verlag
Hager ROM 2002:
Springer Verlag
Cornell University Programm on
Breast Cancer and Environmental
Risk Factors in New York State
Fact sheet #1,
2001 IEH
Web Report W3, Oct. 2000
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