Bei ausreichender
Kenntnis der Situation kann die Beratungsstelle bei Vergiftungen
oder auch der Hausarzt Entscheidungshilfen sowie Anweisungen zur
Ersten Hilfe geben.
Deshalb: Erst anrufen, dann handeln!Nur
so können sowohl Unter- als auch Übertherapien wie unnötige Klinikaufenthalte
verhindert werden.
Erste-Hilfe-Maßnahmen
Giftaufnahme über den Mund: In Abhängigkeit von der angenommenen Substanz
und nach Rücksprache mit einer Beratungsstelle können folgende Erstmaßnahmen
selbständig durchgeführt werden:
Verdünnung der Gifte durch Trinken von Wasser, Saft oder Tee.
Entschäumer bei schaumbildenden Substanzen beispielsweise durch die
Gabe von einmal einem Teelöffel Sab Simplex oder Lefax flüssig und
binden der Giftsubstanzen durch Kohle.
Erbrechen lassen oder Magenspülung
nur unter ärztlicher Aufsicht.
Nie erbrechen auslösenbei Wasch-
und Spülmitteln, Säuren und Laugen, Haarpflegeprodukten oder bei
bewußtseinsgetrübten Personen (Aspirationsgefahr und Lungenkomplikationen
möglich).
Merke:Nie
voreilig handeln, insbesondere ohne Rücksprache! Keine Milchgeben
und kein Erbrechen auslösen.
Folgende rezeptfreie Medikamente sollten Sie vorrätig halten:
Kohle Compretten (R)
Ultracarbon (R)- Das neue Antidot bei akuten oralen Vergiftungen
Sab Simplex (R)
Lefax (R) flüssig.
Giftaufnahme durch die Haut: Vergifteten völlig entkleiden. Sofort
alle befallenen Hautstellen mit reichlich Wasser (und Seife) waschen.
Falls vorhanden Handschuhe tragen.Höchste
Lebensgefahr bei Pflanzenschutzmitteln wie beispielsweise E 605.
Giftaufnahme über die Lunge: Gefahr der Selbstvergiftung ist besonders
groß!
Patienten an die frische Luft bringen. Fenster und Türen öffen, für
schnellste ärztliche Betreuung sorgen. Evtl. Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung
bis ärztliche Hilfe eintrifft. Wegen einer möglichen Selbstgefährdung
des Helfersnie über sondern
stets neben dem Vergifteten einatmen.Vergifteten
in warme Decken hüllen.
Augenverätzung: 10-15 Minuten unter fließendem Wasser
auswaschen. Danach sofort (Augen-)arzt vorstellen.
Beim Transport beachten: Sachgemäßer Transport geht vor Schnelligkeit.
Bei Erbrechen und Bewußtlosigkeit auf die Seite legen (stabile Seitenlagerung
wie im Erste-Hilfe-Kurs demonstriert) oder Bauchlage, Kopf zur Seite
und etwas überstrecken. Zunge nach vorne bringen. Atemwege freihalten,
Transportbegleitung (evtl. Herzmassage oder Beatmung erforderlich).Giftreste
(Originalbehälter, Erbrochenes) in Plastikbeutel verschlossen in
die Klinik mitnehmen.
Maßnahmen bei Atemstillstand: Atemwege, das heißt Mund- und Rachenraum,
mit Finger oder Tuch freimachen, damit keine Fremdkörper (Erbrochenes
usw.) in die Atemwege gelangen. Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung.
Vorsichtshalber nicht über, sondern neben dem Patienten einatmen
(in seltenen Fällen Gefahr der Selbstvergiftung).
Maßnahmen bei Herz-Kreislaufstillstand: Mund-zu-Mund-Beatmung nach jeder 15. Herzmassage.
Wenn die Wiederbelebung mit 2 Helfern durchgeführt wird, 1x Mund-zu-Mund-Beatmung
nach jeder 5. Herzmassage.
Grundlage Herzmassage: Flache Rückenlage auf festem Untergrund
(Fußboden). Die Handballen werden übereinandergekreuzt und auf das
untere Brustbeindrittel gelegt. Mit gestreckten Armen rhythmisches
Niederdrücken (ca. 80mal pro Minute bei Jugendlichen und Erwachsenen
und über 100-120 bei Kleinkindern) des unteren Brustbeindrittels
in Richtung Wirbelsäule. Herzmassage bei Kleinkindern
nur mit übereinandergelegtem
Zeige- und Mittelfinger beider Hände!